Was ist eigentlich Mentaltraining?

 

Mentaltraining basiert auf dem Zusammenspiel zwischen den beiden Denkmodi Unterbewusstsein und Bewusstsein.

Der Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahnemann bezeichnet das Unterbewusstsein als System 1 und das Bewusstsein als System 2.

„System 1 arbeitet automatisch und schnell, weitgehend mühelos und ohne willentliche Steuerung.
System 2 lenkt die Aufmerksamkeit auf die anstrengenden mentalen Aktivitäten, die auf sie angewiesen sind, darunter auch komplexe Berechnung „ [1]

Beim Mentaltraining werden bewusste Ziele, Vorstellungen und Wünsche, die im Bewusstsein (System 2) entwickelt worden sind, mit speziellen Techniken auf das Unterbewusstsein (System 1) übertragen. Infolge dieser Übertragung beginnt das System 1, die Verhaltensweisen zu automatisieren und ohne permanente willentliche Aufmerksamkeit zu den Zielen, Vorstellungen und Wünsche zu führen.

 

Erfahrungen mit Mentaltraining

In meiner Praxis habe ich die Erfahrung gemacht, dass Klienten zunächst ungläubig den Möglichkeiten von Veränderungen durch mentales Üben gegenüber stehen. Kinder sind oft viel weniger skeptisch als Erwachsene, wenn ihnen Hilfe bei der Bewältigung von Problemen angeboten wird.

Gunda Lang berichtet in ihrem Buch „Besser in der Schule – Mentaltraining für Kinder und Jugendliche“ (Verlag Peter Erd München 1997) über ein Projekt, bei dem Schüler mit Mentaltraining  vertraut gemacht worden sind. Eine Schülerin berichtet[2]:

„Vor Arbeiten hatte ich immer wahnsinniges Bauchweh. Und während der Arbeit zitterte ich am ganzen Leib. Schrecklich war das, und manche Arbeiten waren dann auch nicht so gut, wie gewünscht. Da half auch Üben nichts. Natürlich bekam ich auch Krach mit meinen Eltern, die meinten, ich sei zu faul…Ich machte Mentaltraining. Ich stellte mir immer vor, dass ich in der Schule gut bin und dass meine Eltern sich freuten und meine Lehrer mich liebten. Das machte ich so vierzehn Tage lang, jeden Tag zwei mal. Und tatsächlich stellte sich der gewünschte Erfolg auch ein. .Alle Schwierigkeiten waren wie weggeblasen. Toll!. Jetzt fielen die Arbeiten auch immer besser aus und der Ärger mit meinen Eltern war auch verschwunden. Ein Glück! Ganz kurz möchte ich noch einmal etwas anderes ansprechen: Olympia 1988! Ben Johnson hatte Dopingmedikamente genommen und musste ja seine Goldmedaille an Carl Lewis abgeben (100-m-Lauf). Der Trainer von Carl Lewis sagte in einem Interview, er brauche seine Sportler gar nicht zu dopen, er bete und meditiere mit ihnen. Wahrscheinlich macht er mit ihnen auch Mentaltraining und es ist ihr tolles Geheimrezept.“

 

Mentaltraining im Sport – am Beispiel von Britta Steffen

Viele Mentaltechniken sind im Hochleistungssport entwickelt oder verfeinert worden. Nicht wenige Spitzensportler bedienen sich heute der Unterstützung von Mentaltrainern. So sind beispielweise die Weltklasseschwimmerinnen Franziska von Almsick und Britta Steffen von der Diplom-Psychologin und Mentaltrainerin Friederike Janofske trainiert worden.

Im Interview mit dem „Spiegel“[3] wurde Britta Steffen nach dem Anteil ihrer Mentaltrainerin an ihren Erfolgen gefragt.
„Er ist riesig“, meinte die Sportlerin.

„Wären Sie ohne Frau Janofske auch Olympiasiegerin geworden?“, fragten die Spiegelredakteure.
„Nein“, antwortete Britta Steffen.

Wie konnte die Mentaltrainerin aus der guten Schwimmerin Britta Steffen eine mehrfache Europameisterin, Weltmeisterin, Weltrekordlerin und Olympiasiegerin entwickeln?

Mit dem klassischen Mentaltraining gelang es, die Einheit von körperlicher Hochleistung und geistiger Steuerung bei der Schwimmerin herzustellen. Nach dieser Trainingsphase litt Britta Steffen jedoch noch immer unter Ängsten, die bei Wettkämpfen ihr Leistungsvermögen schmälerten.

Mit einer speziellen Form des Mentaltrainings gelang es, die Ursachen der Ängste, die in einem Schwimmunfall in der Kindheit lagen, zu entdecken und aufzulösen. Danach stieß Britta Steffen zur Weltspitze im Schwimmsport vor.



[1] Daniel Kahnemann: „Schelles Denken, langsames Denken“ Seite 33, Siedler Verlag München 2012

[2] Gunda Lang „Besser in der Schule – Mentaltraining für Kinder und Jugendliche“ (Verlag Peter Erd München 1997, Seiten 17-18

[3] „Meins, meins meins“, DER SPIEGEL 37/2009 S. 134-137

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